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Inhalt:

Über die Depression
Welche Depressionsformen gibt es
Behandlung und Therapie
Was bedeutet Verarbeitung?
Führen Sie ein Tagebuch
Die richtige Arztwahl
Umgang mit Depressiven
Der Depressive und die Angst

Über die Depression

Das Wort Depression geht auf das lateinische: »deprimere, depressus = herunterdrücken« zurück. Gemeint ist damit eines der wichtigsten Krankheitszeichen, nämlich die seelisch-körperliche Herabgestimmtheit.

Menschliches Erleben (Denken und Fühlen) ist ohne stimmungsmäßige Hochs und Tiefs nicht denkbar. Stimmungsschwankungen gehören zum normalen Alltag. Auch Niedergeschlagenheit, Trauer und Verstimmungen sind normale nicht behandlungsbedürftige Bestandteile unseres Lebens. Wir wissen in aller Regel, woher diese Gefühle kommen, warum sie entstanden sind, und daß sie auch rasch wieder vergehen können.

Findet sich hingegen keine Ursache für lang anhaltende und deutliche Stimmungstiefs, so stellt sich die Frage, ob es sich noch um eine normale Stimmungsschwankung oder aber um eine behandlungsbedürftige seelische Erkrankung handelt.

Krankhafte seelische Verstimmungszustände werden vom Facharzt „Depressionen“ genannt. Eine Depression ist also ein Gefühls- bzw. Gemütszustand, der außerhalb der normalen Schwankungsbreite des menschlichen Gefühlslebens liegt. Die Depression zählt zu den psychischen (seelischen) Krankheiten und wird auch manchmal „Gemütskrankheit“ genannt.

Vergessen wir das ganze Fachchinesisch und betrachten wir die Depression einfach als das was es im Endeffekt wirklich ist. Eine Depression setzt sich aus der Summe der Ereignisse des Lebens zusammen. Jedes Ereignis oder jeder Schicksalsschlag der nicht bzw. nicht ausreichend verarbeitet wurde trägt das seine zur Entstehung einer Depression bei. Jeder Mensch hat in seinem Inneren nur eine begrenzte Menge Platz zur Verfügung, wo er seine Schicksalsschläge sozusagen einlagern kann. Sie können das ganze z.B. mit der Festplatte eines Computers vergleichen. Wenn die Festplatte voll ist und sie ein neues Programm installieren wollen, dann müssen Sie erst irgendwelche Daten löschen um Platz zu schaffen. Genauso verhält es sich mit unserem Seelenleben. Alle verarbeitungspflichtigen Ereignisse benötigen eine gewisse Menge Platz auf unserer inneren Festplatte und wenn dieser ausgeschöpft ist können wir nichts mehr aufnehmen. Unsere innere Festplatte läuft über und genau dieser Moment stellt den eigentlichen Ausbruch der Depression dar. Nun kann es durchaus der Fall sein, daß das auslösende Ereignis sozusagen eine Bagatelle ist. Welcher Mensch kann es dann glauben, daß dieses Ereignis in Verbindung mit früheren für die Depression verantwortlich sein könnte.

Was aber zählt alles zu diesen verarbeitungspflichtigen Ereignissen?

Diese Frage läßt sich nur schwer beantworten. Jeder Mensch hat eine eigene Anschauung und stuft deshalb auch unterschiedlich ein. Das heißt im Klartext, daß ein Erlebnis von dem einen als extrem schwer und von dem anderen als Bagatelle eingestuft wird. Wobei wir hier aber nicht übersehen dürfen, daß wir manchmal Dinge äußerlich als Bagatelle einstufen, innerlich sieht es aber ganz anders aus. Das wiederum bedeutet, daß wir eigentlich nie mit letzter Sicherheit sagen können ob und wie schwer uns etwas belastet. Sie können davon ausgehen, daß eine Scheidung z.B. jeden Menschen in seiner psychischen Ebene belastet, auch wenn er es nach außen hin nicht zur Schau stellt und vielleicht sogar abstreitet.

Nun gibt es aber bestimmte Anzeichen dafür ob einen etwas belastet oder nicht. Wer diese Anzeichen kennt und beachtet, der weiß immer wann er etwas verarbeiten muß und kann sofort richtig reagieren. Wenn Sie nach irgendeinem Ereignis das Gefühl haben, daß Sie weinen könnten, egal ob Sie es tun oder unterdrücken, stellt dies ein untrügliches Zeichen für ein Verarbeitungspflichtiges Erlebnis dar. Jedes Ereignis das uns tagelang nicht zur Ruhe kommen läßt ist ebenfalls verarbeitungspflichtig. Dazu zählen auch die Dinge, die wir zwar glauben weggesteckt zu haben, die wir trotzdem zwischendurch immer wieder erwähnen. Ein Streit z.B. wird mit den Worten derVerzeihung beendet und dann dem anderen aber trotzdem bei jeder sich bietenden Gelegenheit aufs Butterbrot geschmiert, ist verarbeitungspflichtig. Wenn Sie testen wollen, ob eine bestimmte Sache verarbeitungspflichtig ist oder nicht, dann brauchen Sie nur darüber zu sprechen. Wenn Sie dabei Gefühle oder Emotionen bekommen, dann handelt es sich um eine Sache, die in Ihnen nagt und verarbeitet werden muß.

Solche verarbeitungspflichtige Ereignisse können Sie das ganze Leben lang verfolgen und belasten. Erst ein vollständig verarbeitetes Ding kann Ihnen nicht mehr weh tun.

Liebesenttäuschungen, Todesfälle, Zurücksetzung, Partner- oder materielle Probleme, langandauernde Arbeitslosigkeit, andauernde Überforderung (von anderen sowie von sich selbst) sind nur einige Beispiele für verarbeitungspflichtige Ereignisse.

Verarbeitungspflicht heißt in diesem Fall, daß wir uns mit diesen Punkten auseinandersetzen müssen. Wir müssen diese Punkte von jeder nur möglichen Seite aus betrachten und durchdenken. Jede Art von eventuell dabei aufsteigenden Emotionen wie “Weinen” müssen wir dabei zulassen. Wir dürfen dabei keine Rücksicht auf unsere Umgebung nehmen, die nimmt auf uns auch keine Rücksicht. Das müssen wir solange tun, bis wir das Ereignis nicht mehr als rein negativ einstufen sondern auch die positive Seite erkennen können. Aber auch solange, bis wir beim Gedanken daran keine Emotionen mehr haben. Erst wenn wir dies erreichen haben wir es verarbeitet und es belastet uns nicht mehr. Ein Zeichen für eine ausreichende Verarbeitung ist es, wenn wir über diese Dinge sprechen können, ohne daß wir dabei Emotionen bekommen.

Welche Depressionsformen gibt es?

Depression ist nicht gleich Depression. Hier gilt es verschiedene Ursachen und Verlaufsformen zu unterscheiden. Dies ist nicht nur eine rein theoretische Frage, sondern bestimmt auch die Behandlung. Allerdings ist die diagnostische Klassifikation eine rein fachärztliche Aufgabe und deshalb will ich hier nicht näher darauf eingehen. Im Folgenden will ich Ihnen nur einen sehr kurz gefaßten Überblick verschaffen

Es gibt verschiedene Formen der Depressionen und diese Formen werden wiederum unterteilt:

1. Die Psychogene Depression ist die häufigste Form. Sie ist rein seelisch ausgelöst und wird in drei Gruppen unterteilt:

    I. Die Reaktive Depression ist durch ein äußeres, schmerzliches Ereignis verursacht. Meist: Liebesenttäuschungen, Todesfälle, Zurücksetzung, Partner- oder materielle Probleme.

    II. Bei der Neurotischen Depression handelt es sich um eine gestörte Verarbeitung bestimmter Erlebnisse, nicht selten schon aus der Zeit der frühen Kindheit.

    III.Die Depressive Entwicklung entsteht unter den Druck einer gefühlsmäßigen Dauerbelastung ohne Aussicht auf Entlastung. Dazu gehört: Langjährige Ehekonflikte, andauernde berufliche Überforderung usw. Diese Form nennt man auch Erschöpfungsdepression.

2. Die Endogenen Depressionen entstehen aus dem Inneren des Organismus (endogen). Zwar gehen auch hier manchmal erkennbare Auslöser voraus - Unfall, berufliche Zurücksetzung, materielle oder zwischenmenschliche Verlußte, Auseinandersetzungen usw.- doch im allgemeinen ist keine einleuchtende Ursache festzustellen. Auch hier unterscheidet man drei Untergruppen:

    I. Depressionen mit meist mehreren Depressiven Phasen, zwischen denen längerdauernde, beschwerdefreie, Phasen liegen.

    II. Bei der Manisch-Depressiven Erkrankung wechseln sich depressive und manische Phasen meist unregelmäßig ab (Die Manie gilt als Gegenstück zur Depression - mit krankhafter Hochstimmung).

    III. Die Spätdepression (Involutionsdepression) im vorgerücktem Alter weist praktisch nur Depressive Phasen auf. Der Verlauf ist etwas milder ausgeprägt aber langdauernd.

3. Körperlich begründbare Depressionen (Somatogene) stehen im ursächlichen Zusammenhang mit einer körperlichen Krankheit oder Funktionsstörung. Hier unterscheidet man zwei Gruppen:

    I. Organische Depressionen als unmittelbare Folge von Hirnverletzungen, Hirntumoren, Hirngefäßverkalkung, altersbedingter Abbauprozesse usw.

    II. Symptomatische Depressionen als seelische Folge körperlicher Allgemeinschädigungen und -erkrankungen, die die Hirnfunktion indirekt beeinträchtigen. Beispiele sind Infektionen und Kreislauferkrankungen, aber auch die einnahme (besonders die mißbräuchliche) von entsprechenden Medikamenten usw.

Schließlich gibt es noch zahlreiche weitere Depressionsformen, die entweder einer der obigen Gruppen zugeordnet werden können oder verschiedene Ursachen haben. Dazu zählen Depressionen in den Wechseljahren, im Wochenbett und sogenannte saisonale Depressionen (z.B. Winterdepression). Diese Formen sind aber von geringerer Bedeutung.

Hier an dieser Stelle will ich nur die „Psychogene Depression“ behandeln, da diese am weitesten verbreitet ist, und vieles auch auf die anderen Depressionsformen zutrifft. Diese Depressionsform stellt auch die größten Anforderungen an den Patienten. Hier muß er selber sehr viel dazu beitragen wenn er gesunden will. Deshalb ist es auch das Thema zu dem die meisten Informationen gesucht werden. Die Psychogene Depression ist nicht nur die häufigste, sondern auch die am schwersten zu verstehende. Sie hat generell seelische Auslösefaktoren, die nicht immer auf dem ersten Blick zu erkennen sind, da sie oft bis in die Kindheit zurückreichen. Die meisten Depressiven lehnen es in der Anfangszeit auch kategorisch ab daran zu glauben. Sie sind der Meinung, daß bestimmte Vorfälle, die schon so weit zurück liegen, nichts mit dem derzeitigen Zustand zu tun haben können. Alleine diese ablehnende Haltung sorgt dafür, daß der Depressive relativ lange zögert bevor er sich in ärztliche Behandlung begibt. Logischerweise bedeutet dies für den Depressiven, daß sich die Depression immer mehr manifestiert und dies wiederum den Heilungsprozeß deutlich hinauszögert.

Ein sehr oft anzutreffender Auslösefaktor ist in zwischenmenschlichen Beziehungen zu finden, speziell in der Partnerschaft. Dies stellt sich für die meisten auch als einleuchtender Grund dar. Wenn der Neurologe dann aber sagt, daß es sich hier nur um den Auslösefaktor handelt und der wahre Grund weiter zurückliegt und sich vor allem aus mehreren Faktoren zusammensetzt, beginnen die meisten Patienten zu zweifeln und lehnen dies kategorisch ab. Allerdings konnte ich hier auch die Feststellung machen, daß sehr viele Ärzte gar nicht erst auf dieses Thema eingehen.

Die meisten Menschen haben immer wieder den gleichen Fehler gemacht, und das ihr ganzes Leben lang. Sie haben ihre aufsteigenden Aggressionen unterdrückt und in sich hinein gefressen. All diese Aggressionen bauen sich langsam aber sicher zu einem Überdruck auf, der irgendwann einmal zur Entladung kommen muß. Auch solche aufgestauten Aggressionen können der Auslöser einer Depression sein oder zumindest eine Depression mit verursachen.

Wie oft war Ihnen schon danach zumute, das nächstbeste, vor Wut zu zertrümmern oder an die Wand zu klatschen. Wie oft haben Sie dabei diesen Wunsch unterdrückt und wie selten haben Sie es ausgeführt. Lassen Sie ab sofort allen Ihrer Aggressionen freien Lauf und unterdrücken Sie sie zukünftig nicht mehr. Lernen Sie es, mit Ihren Aggressionen umzugehen. Sie müssen nicht gleich jedem an die Gurgel fahren um Ihre Aggressionen los zu werden. Es gibt genügend andere Möglichkeiten, die man sich antrainieren kann. Jede Methode ist besser als das schlucken einer Aggression. Ein Mittel das sich gut bewährt hat, ist das herausdrücken der Aggressionen z.B. mit einen Jonglierball. Das ist ein, mit Sand gefüllter, Lederball der auf der einen Seite nachgibt andererseits aber genügend Wiederstand bietet um eine gewisse Menge seiner Aggressionen los zu werden (im gut sortiertem Spielwarenhandel für knapp 10 Mark zu kaufen).

“Das ist doch kein Grund zum Weinen!” Solche Sätze kennen Sie sicherlich zur genüge, da sie gerade dem Depressiven immer wieder eingebleut werden. Eine fast logische Folge dieser Sätze, der Betreffende unterdrückt das Weinen und damit auch alle damit verbundenen Emotionen. Auch aus falscher Rücksichtnahme, anderen Personen gegenüber, verkneift man sich das Weinen immer wieder. Das ist mindestens genau so schlimm wie das Unterdrücken einer Aggression. Weinen ist eine ganz natürliche, angeborene emotionale Regung, derer man sich nicht zu schämen braucht. Weinen erleichtert die Seele und es befreit ungemein.

Alles was das Leben von Haus aus eingerichtet hat, also angeboren und nicht anerzogen ist, hat einen bestimmten Zweck zu erfüllen und da sollte kein Mensch künstlich eingreifen, wie das der zivilisierte Mensch nun einmal so gerne tut. Egal aus welchen Anlaß oder wo Sie sich gerade befinden, wenn Ihnen zum Weinen ist, dann sollten Sie auch Hemmungslos weinen. Jede Träne, die Sie unterdrücken, müssen Sie irgendwann im Leben herauslassen. Erst wenn diese Tränen versiegt sind wird Ihnen wohler und solange Sie die Tränen zurück halten, wird Sie die entsprechende Situation belasten und kann nicht verarbeitet werden.Sie können mit Sicherheit davon ausgehen, daß ein gewisser Teil Ihrer zurück gehaltenen Tränen eine Mitschuld an Ihrer Depression tragen. Jede weitere Träne die Sie zurück halten festigt also Ihre Depression und jede geweinte Träne lockert die Depression. Das wichtigste ist es also, daß Sie immer und zu jeder Zeit weinen, wenn Ihnen danach zumute ist. Wenn Sie dann noch hergehen und sich Gedanken über die zu beweinende Situation machen dann ist das ein Teil der Verarbeitung. Wenn Sie erst einmal soweit sind, daß Sie überall weinen können, dann werden Sie feststellen, daß sich die Fremden Menschen nicht darüber aufregen, teilweise sogar Trost spenden, und daß es in der Regel die eigenen Angehörigen sind, die nicht damit umgehen können.

Zum Abschluß dieses Themas möchte ich nun noch auf den schlimmsten Fehler eingehen, den der Depressive machen kann. Diesen Fehler konnte ich bei allen Depressiven feststellen, mit denen ich gesprochen habe. Man könnte fast sagen, daß dieser Fehler dem Depressiven angeboren ist. Diesen Fehler habe ich bei meiner Frau und meinen Bekannten mit “schönen” bezeichnet. Gleichzusetzen mit schönreden, weil der betreffende immer versucht seine derzeitige Situation schöner darzustellen wie sie in Wirklichkeit ist. Er schwächt alles ab und gibt seinen elenden Zustand nicht zu.

Kein Mensch käme auf die Idee zu seinem Hausarzt zu sagen: Mir tut die Hand weh - wenn ihm die Beine schmerzen. Jeder wüßte sofort, daß der Arzt logischer Weise eine falsch Behandlung einleiten würde. Ich kann es nicht sagen warum, aber der Depressive denkt da sehr dramatisch anders. Er ist hier immer der Meinung nicht alles sagen zu dürfen, und weiß der Teufel warum. Der Neurologe oder der Therapeut ist ein Arzt wie jeder andere auch. Er ist auf Ihre Informationen wesentlich stärker angewiesen wie der Hausarzt. Körperliche Leiden kann der Hausarzt auch auf andere Art und Weise diagnostizieren und in den meisten Fällen kann man dem Patienten sein Leiden ansehen. Beim Depressiven verhält sich das ganz anders. Hier gibt es keinerlei sichtbare Zeichen auf Grund derer der Neurologe seine Rückschlüsse ziehen könnte.

So ziemlich das einzig sichtbare Zeichen des Depressiven ist der trübe Blick und seine etwas gebeugte Haltung. Die Kleidung (speziell die Farbe) läßt gewisse Rückschlüsse auf das derzeitige Befinden zu, aber es ist ein nicht gesicherter Faktor. Dies sind aber Anzeichen die sowohl der leicht Depressive, wie auch der schwerst Depressive zur Schau stellt. Der Neurologe kann daraus keinerlei Rückschlüsse auf das derzeitige Befinden des Patienten ziehen. Wenn Sie also Ihren Arzt sagen: Es geht so ola la - dann muß er es Ihnen glauben. Ein cleverer Neurologe, dem das Wohl seiner Patienten am Herzen liegt, wird zwar die eine oder andere Fangfrage stellen, die es ihm erlaubt etwas tiefer zu blicken, aber er wird dabei trotzdem immer auf Vermutungen und seinem Instinkt angewiesen sein.

Wenn Ihnen daran liegt, so schnell wie möglich gesund zu werden, was trotzdem meist noch viel zu lange dauert, dann sollten Sie immer “Tacheles” reden. Nur wenn Sie immer die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit sagen, kann Ihr Neurologe richtig reagieren. Eine richtige Behandlung erfordert das richtige Reagieren und das liegt in diesem Fall alleine in Ihrer Hand. Im Falle einer falschen Behandlung tragen Sie selbst die Verantwortung wenn Sie schönen.

Ihr Neurologe aber auch Ihr Therapeut muß Ihr Vertrauter sein, dem Sie alles sagen was Sie bedrückt oder sonstwie belastet. Sagen Sie ihm alles was Ihnen in den Sinn kommt, auch wenn Sie es für total unwichtig halten. Ihr Arzt wird die richtigen Schlüsse daraus ziehen, ähnlich wie die Kripo aus den einzelnen Hinweisen zu einer ernsthaften Spur kommen kann. Handeln Sie dabei nach dem Motto: Lieber einen Satz zuviel gesagt, als ein Wort zu wenig. Überlassen Sie die Beurteilung,wichtig oder nicht, ruhig Ihren Arzt denn der ist dafür ausgebildet. Was Sie zu Hause ihren Partner oder Freunden sagen kann Ihr Arzt nicht riechen, daran sollten Sie immer denken.

Manche Therapeuten sind nur deswegen zu schlechten Therapeuten abgerutscht, weil sie aufgrund von falschen Informationen keine Erfolgserlebnisse bekommen haben, und in ihrem Frust ein gewisses Gleichgültigkeitsgefühl entwickelt haben. Wenn Sie allerdings an einen Neurologen oder Therapeuten geraten, dem Sie aus welchen Gründen auch immer nicht vertrauen können, dann sollten Sie sich schnellstens nach einen anderen umsehen. Jeder Tag den Sie hier vergeuden ist verschwendete Zeit, die sich im Heilungsprozeß vervielfacht. Hier kann man nicht sagen, daß ein verschwendeter Tag die Heilung nur um diesen einen Tag hinauszögert. Ein Faktor, den es hier zu berücksichtigen gilt ist es, daß Sie jeder Tag mehr verunsichert und es Ihnen so erschwert ein erneutes Vertrauen zu gewinnen. Auch wenn Sie sich falsch behandelt fühlen, sollten Sie den Arzt wechseln. Das ist Ihr gutes Recht. Allerdings dürfen Sie eine harte Sprache nicht als falsche Behandlung ansehen.

“Mein Partner (oder andere Personen aus dem persönlichen Umfeld) versteht mich nicht, man kann deshalb nicht mit ihm reden”. Solche Sätze konnte ich zur genüge hören und ich bin überzeugt davon,daß Sie ähnliches selbst schon einmal gesagt haben. Dabei werden Sie dann ebenfalls so gehandelt haben wie die meisten anderen auch. Sie haben sich zurückgezogen. Sie haben es tunlichst vermieden über das Thema zu sprechen und Sie haben alles getan um Ihren wahren Zustand zu vertuschen, weil es ja sowieso keiner versteht. Bedenken Sie einmal, wie lange Sie selbst auf der falschen Fährte waren und es selbst nicht verstanden haben. Kein Mensch auf dieser Welt hat die Depression von Haus aus verstanden. Die besten Neurologen mußten erst jahrelang studieren und eine entsprechende praktische Erfahrung sammeln, ehe sie sich in die Krankheit einfühlen konnten. Warum verlangen Sie von den Menschen aus Ihrer Umgebung deutlich mehr als im Bereich des möglichen liegt.

Es gibt zwei Gruppen von Menschen, und dazu zählen auch die des persönlichen Umfeldes. Von Anfang an sind alle gleich. Keiner Versteht die Depression. Wenn man mit ihnen spricht und sie aufklärt, haben sie die Möglichkeit es zu lernen und können dann die Krankheit zumindest teilweise verstehen. Hier allerdings trennen sich die Geister. Sie werden feststellen, daß es ein kleiner Teil verstehen wird und der größere Teil nicht. Hierzu muß ich Ihnen aber klipp und klar sagen, daß der Teil der es nicht Versteht, es nur “nicht verstehen will”. Dabei werden Sie auch die Erfahrung machen, daß die entfernteren Bekannten viel lockerer mit dem Thema umgehen und je enger die Bekanntheit ist, um so eher treffen Sie auf Unverständnis und Ablehnung.

Das liegt vermutlich daran, daß der Depression immer noch ein gewisser Hauch von Geisteskrankheit anhaftet obschon das Gegenteil bereits zig-tausendfach bewiesen wurde. Allerdings wehrt sich jeder Mensch dagegen, einen irren in der eigenen Familie zu haben.

Ein weiterer Grund für die Ablehnung im engsten Familienkreis ist das Schuldbewußtsein. Die Eltern und die engsten Verwandten haben schließlich ihren Teil dazu beigetragen, daß Sie eine Depressionbekommen haben. Das wissen sie zwar nicht in ihrem Bewußtsein, aber unbewußt spüren sie es doch und das schlechte Gewissen läßt es nicht zu, daß sie anders handeln. Sie müßten es ja sonst zugeben, daß es zum Teil ihre eigene Schuld ist, also daß sie einen Teil der Verantwortung tragen müßten. Wer aber gesteht schon gerne einen Fehler ein, besonders dann, wenn es ein so weitreichender Fehler ist.

Ein weiteres Phänomen ist es, daß der Depressive an diesen Personen, die den größten Teil zur Krankheit beigetragen haben, am meisten hängt. Das sind leider Gottes fast immer die Eltern oder ein Elternteil. Wobei ich damit nicht behaupten möchte, daß die es absichtlich gewollt haben. Ich möchte es hier ganz klar sagen, daß die Eltern ihr bestes zur Erziehung getan haben. Aber man kann halt nur das tun was man weiß oder kann. Ihre Eltern haben es nicht besser gewußt, weil sie es ja selbst nicht anders erfahren haben. Jeder Mensch baut seine Erziehung auf seine eigenen Erfahrungen auf. Einige gehen zwar her und sagen: Meine Eltern haben mich immer geschlagen, das werde ich bei meinen Kindern nicht machen. Diese Aussage in allen Ehren, aber sie haben ja nichts anderes gelernt und noch weniger etwas anderes erfahren. Wie sollten diese Eltern, auch wenn sie einen anderen Erziehungsweg einschlagen, das richtige tun. Sie machen ebenfalls ihre Fehler, wenn auch in einer anderen Richtung.

Dabei müssen wir aber auch bedenken, daß es die falsche Erziehung ja nicht alleine war die zur Depression führte. Dazu mußten noch etliche andere Punkte beisteuern wie Schicksalsschläge, Dauerstreß und vor allem die eigene falsche Denke. Wenn wir einmal in die Welt hinaus schauen und mit wachem Auge alles registrieren, müssen wir feststellen, daß genaugenommen jeder einzelne Mensch seinen Knacks hat. Nur, daß deshalb nicht gleich jeder eine Depression bekommt, denn wie schon gesagt gehört dazu etwas mehr. Wenn Sie über die verschiedenen Punkte, die mit zur Entstehung einer Depression beitragen, näheres erfahren möchten, dann empfehle ich Ihnen das Buch “Der Weg aus der Depression” wo der gesamte Weg von der Entstehung, den Ursachen und der richtigen Behandlung alles ganz genau beschrieben ist. Das Buch umfaßt etwa 250 DIN-A4 Seiten und ist auf Diskette gespeichert. Zum Stückpreis von  10 Euro können Sie die Diskette bei mir bestellen. Das Diskettenformat bietet Ihnen den Vorteil, daß Sie das Buch auf Ihrem Rechner speichern können und an den entsprechenden Stellen Ihre eigenen Ergänzungen, z.B. aus anderen Büchern oder auch eigene Erfahrungen, hinzufügen können. So haben Sie alles in einem Buch zusammen gefaßt und brauchen nicht immer wieder in den verschiedensten Büchern suchen wo das gesuchte steht. Diese Seiten dann Ausgedruckt und mit einer Ringbindung versehen, die Sie in jedem Kopie-Shop für ein paar Pfennige bekommen können, ergibt ein kompaktes Nachschlagewerk mit dem Sie perfekt arbeiten können. Außerdem ist es bei einer Ringbindung auch kein Problem, nachträglich noch weitere Seiten mit aufzunehmen.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung bzw. die Therapie stellt ein sehr komplexes Thema dar, denn es müssen einige Komponenten ineinander greifen um von einer guten oder richtigen Therapie zu sprechen.

Die Behandlung beginnt im eigentlichen Sinne mit der “Einsicht krank“ zu sein. Ohne dieser Einsicht geht gar nichts. Da kann sich der Therapeut den Mund fransig reden, der Erfolg wird bei null stehen bleiben. Diese fehlende Einsicht ist meist auch der Grund dafür, warum der Depressive so unendlich lange wartet bis er endlich einmal zu einem Neurologen geht. Dafür dürfte sich auch noch die veraltete Anschauung - Depressive (Nervenkranke) sind geisteskrank - verantwortlich zeigen. Um es ganz klar zu sagen: Der Depressive ist weder Verrückt noch wird er es. Es ist zwar unumstritten, daß sich sehr viele Depressive manchmal einbilden verrückt zu werden, aber ich kann Sie beruhigen. Wenn die Depression vollkommen abgeklungen ist, dann setzt der Genesene genau dort wieder an wo er durch die Depression aus der Bahn geworfen wurde. Es bleibt nichts zurück, da ja im eigentlichen Sinne ja auch gar nichts da war. Dies wird dem Kranken leider Gottes viel zu selten gesagt, wenn überhaupt. Es ist jedoch für den Depressiven ein sehr wichtiger Aspekt, den man nicht oft genug wiederholen kann.

Nach der Einsicht kommt aber noch die „Akzeptanz“ dazu. Der Betroffene muß es auch noch akzeptieren, daß er Depressionen hat. Das ist auch so ein Thema, denn wer akzeptiert es schon gerne eine etwas amurös angehauchte Krankheit zu haben. Schließlich kann jedem alles passieren, nur nicht mir. Das ist ein sehr weit verbreiteter Anschauungspunkt.

Das menschliche Umfeld trägt natürlich ebenfalls das seine dazu bei die Einsicht und die Akzeptanz zu untergraben. „Du mußt dich nur zusammenreißen“, „mit dem nötigen Willen geht alles“ oder „das schaffst du schon” sind solche Standardsätze mit denen einem die anderen verunsichern. Ich kann es Ihnen klipp und klar sagen: “Weder das Zusammenreißen noch der nötige Wille sind dazu angetan, einen aus seinem Loch herauszuhelfen”. Da hilft nur ein gezielter Eingriff in Form von Eigeninitiative. Nur wer die Initiative ergreift und zum Facharzt geht bekommt eine Chance, der Depression zu entfliehen. Der Facharzt muß den Ablauf der Behandlung koordinieren. Er muß für die unterstützenden Medikamente, die meist erforderliche Psychotherapie und die ebenfalls oft erforderliche psychosomatische Kur sorgen. Der Neurologe muß Ihnen den richtigen Weg aufzeigen, den Sie gehen müssen.

Wer schon einige Selbsthilfebücher zum Thema gelesen hat und damit keine Erfolge erzielen konnte, der weiß es ganz genau und hat es vielleicht selbst auch schon gesagt: Alles was die schreiben ist Mist. Es werden viele Ratschläge gegeben und diese wiederum durch unzählige Fallbeispiele untermauert. Aber genau hier liegt der große Schwachpunkt bei all diesen sogenannten Selbsthilfebüchern. Um die Auflagenzahl zu erhöhen werden diese Fallbeispiele immer so dargestellt, daß der Leser den Eindruck gewinnen muß, daß die Krankheit innerhalb der kürzesten Zeit zu überwinden ist. Nicht selten steht in so einem Beispiel, daß der Betroffene über nacht ein anderes Leben führen konnte und somit gesund war. Da ist es gar nicht verwunderlich, wenn der Leser, dem das niemals passieren wird, von all diesen Theorien die Nase voll hat und nicht mehr daran glaubt.

Ich will es Ihnen klipp und klar sagen: Die Behandlung einer Depression ist eine langwierige Sache. Das kann nicht von heute auf morgen geschehen. Bedenken Sie dabei was ich schon weiter oben erwähnt habe. Die Depression ist die Sammlung der im gesamten Leben erhaltenen Schläge. Diese Sammlung hat sich natürlich im Laufe des Lebens manifestiert und ist sogar teilweise zur Gewohnheit übergegangen. So einen Gewöhnungseffekt kann ich nicht von heute auf morgen eliminieren und durch ein neues Gedankengut ersetzen. Das braucht seine Zeit. Und genau diese Zeit muß sich jeder Depressive nehmen, sonst hat er so gut wie keine Chance. Da es sich wie gesagt um eine langwierige Krankheit handelt, muß natürlich den gesamten Ablauf jemand koordinieren und überwachen. Dies ist ganz eindeutig die Aufgabe des Neurologen. Dazu müssen Sie natürlich einen guten Neurologen haben, der sich auch um seine Patienten bemüht und nicht nur sein eigenes finanzielles Wohl im Auge hat. Auf dieses Thema gehe ich im Abschnitt „Die richtige Arztwahl“ ein.

Zu Beginn der Behandlung steht die medikamentöse Therapie. Rein theoretisch könnte zwar auf Antidepressiva verzichtet werden, denn sie tragen in keiner Weise zur Genesung bei. Der wesentliche Aspekt bei den Medikamenten: Sie erleichtern einem die momentane Situation erheblich und deshalb steht der medikamentösen Therapie nichts im Wege und ist eine sinnvolle Ergänzung auf die man nicht verzichten sollte. Bei diesen Medikamenten tritt die erste spürbare Wirkung meist erst nach ca. zwei bis vier Wochen ein. Der Grund - es muß sich erst eine gewisse Menge des Wirkstoffes im Körper aufbauen.

Das wichtigste einer Depressionsbehandlung ist eindeutig das Gespräch. Dabei spielt es keine Rolle ob Sie als Gesprächspartner nun den Neurologen, den Psychotherapeuten oder eine x-beliebige Person haben. Der Gesprächspartner muß für Ihre Situation Verständnis haben. Verwechseln Sie dies bitte nicht mit „Mitleid“. Mitleid bedeutet nichts anderes als „Mit-leiden“ und davon haben Sie nicht das geringste. Wenn jemand mit Ihnen “Mit-leidet” drückt er das auch in seinem Gespräch aus und das wiederum bedeutet, daß er mit Ihnen mit jammert. Das ist das Letzte was Sie brauchen können, denn damit ziehen sie sich gegenseitig nur noch tiefer hinunter. Eine x-beliebige Person kann Sie im Regelfall allerdings nicht führen und Ihnen auch nicht den richtigen Weg zeigen. Deshalb sollten Sie keinesfalls auf einen Neurologen verzichten. Viele Depressive machen den gravierenden Fehler, daß sie zwar immer dann zum Arzt gehen, wenn es ihnen gerade mal nicht so gut geht. Sobald es ihnen aber etwas besser oder besonders schlecht geht sagen sie ihren Termin ab.

Ich persönlich bin der Meinung, daß es gerade da am allerwichtigsten ist mit einem Fachmann zu sprechen. Wenn es mir besonders schlecht geht, brauche ich die meiste Hilfe. Wenn es mir etwas besser geht, bin ich für die Tips und Ratschläge des Neurologen am empfänglichsten, weil meine Gedanken durch kein schlechtes Befinden abgelenkt werden. Gehen Sie ruhig lieber einmal öfters zum Neurologen als einmal zu wenig.

Aufgrund der vielen Patienten, die ein Neurologe zu betreuen hat, wird dieser in aller Regel nicht genügend Zeit zur Verfügung haben, die er eigentlich für Sie bräuchte. Deshalb sollten Sie bei Zeiten wegen einer Psychotherapie mit Ihrem Neurologen sprechen. Dieser wird dann, sobald er die Zeit fürgekommen hält eine Psychotherapie befürworten. Hier gilt es nämlich zu beachten, daß es in bestimmten Zuständen zu früh aber auch genau so gut zu spät sein kann.

Im Gespräch mit dem Fachmann gibt es natürlich einige Regeln die Sie unter allen Umständen beachten sollten. Wenn Sie diese nicht oder nur teilweise beachten, kann Sie der Arzt auch nicht richtig Therapieren. Ein Fehler, den ich bei so gut wie allen Gesprächen mit Depressiven mitbekommen habe, war es daß alle bei ihren Gesprächen geschönt haben. Mit geschönt meine ich, daß sie nicht die ganze Wahrheit gesagt haben. Sie stellten ihren momentanen Zustand meist in einem etwas besseren Licht dar als es eigentlich war.

Die wichtigste Grundregel für den Depressiven muß es sein, daß er generell bei der vollen Wahrheit bleibt, auch wenn es ihm noch so schwer fallen sollte. Bei seiner Schönerei umtraut es der Patient nicht, daß er den Arzt auf eine falsche Fährte lockt und dieser dann unwissend einen falschen Behandlungsweg einschlagen muß. Wenn Ihnen der Fuß weh tut dann sagen Sie zu Ihrem Hausarzt ja auch nicht, daß Ihnen der Arm Beschwerden bereitet. Darum, reden Sie frei von der Leber weg. Denken Sie dabei gar nicht erst lange nach. Sagen Sie Ihrem Arzt was Sie bedrückt, was Sie belastet und was Ihnen momentan die meisten Beschwerden bereitet. Etwas verschweigen ist auch nicht des Pudels Kern.

Sicherlich gibt es einige Punkte im Leben über die Sie nicht gerne sprechen, bzw. nicht mit jedem. Zum Beispiel in sexuellen Bereichen sind solche Punkte zu finden (Mißbrauch). Sie haben nur die Möglichkeit alles zu sagen, denn wenn ausgerechnet der verschwiegene Punkt, Ihr größtes Problem ist, nutzt es Ihnen wenig wenn Sie alle anderen erwähnen. Wenn Sie Ihrem Arzt etwas nicht sagen können, dann nur weil Sie nicht genügend Vertrauen zu ihm haben und weil Sie sich vermutlich, selbst immer wieder suggeriert haben, daß Sie über dieses Thema nicht sprechen können. Wenn es am Vertrauen liegt, dann sollten Sie sich einen anderen Arzt suchen, oder Sie arbeiten daran, daß Sie ihm Vertrauen können. Vor allem wenn Sie einen guten Arzt haben sollten sie daran arbeiten.

Ein Tip am Rande: Notieren Sie sich die Fragen, die zwischen den Terminen auftauchen, auf einen kleinen Zettel. Gehen Sie dann diese Notizen beim nächsten Termin als erstes durch. Nur so können Sie sicherstellen, daß Sie auch die nötigen Antworten bekommen.

Bei den meisten mir bekannten Depressiven lief es meist so ab, daß sie zwar einige Fragen im Kopf hatten die in der Zeit zwischen den Terminen aufgetaucht sind, aber dann beim Gespräch entweder nicht mehr daran gedacht haben oder sie glaubten, daß im Laufe des Gespräches noch eine bessere Gelegenheit für die Frage kommt. Meist hat sie sich nicht mehr ergeben. Erst ein paar Meter von der Praxis weg, fiel einem dann siedendheiß ein, daß man noch dies oder jenes fragen wollte.

Regel Nummer zwei: Denken Sie nicht lange darüber nach, was Sie beim nächsten Termin zu Ihrem Arzt sagen wollen. Das einzig Vorbereitete sollten Ihre aufgetauchten Fragen sein. Alles andere sollte zum entsprechendem Zeitpunkt aus Ihrem „Inneren“ kommen. All das vorbereitete kann zum Zeitpunkt des Gespräches gar nicht wichtig sein, da man genug andere wichtigere Punkte in sich trägt. Das Problem vom Montag ist am Freitag nicht so aktuell wie das vom Donnerstag. Dasbedeutet für Sie, daß Sie immer das Aktuellste Problem als erstes ansprechen sollten und dann der Reihe nach zurück gehen sollten.

Eine weitere Regel, die es zu beachten gilt ist es, daß Sie auf alle Fälle über das nachdenken sollten was Ihnen der Fachmann sagt. Es kann nicht damit abgetan sein, daß Sie in der Sprechstunde an den Lippen Ihres Arztes hängen und nachher ist alles vorbei und vergessen. Sie müssen sich mit den Themen auseinandersetzen, die Sie mit Ihrem Arzt besprechen. Suchen Sie sich also nach dem Gespräch ein ruhiges Plätzchen und durchdenken Sie das gesagte von allen möglichen Seiten. Versuchen Sie, zu ergründen was Ihr Therapeut Ihnen mit seinen Worten sagen wollte. Auch wenn Ihr Arzt zu einem bestimmten Thema gar nichts sagt oder nicht darauf eingeht, sollten Sie sich Ihre Gedanken darüber machen. In der Regel will er etwas ganz bestimmtes bezwecken, wenn er auf ein Problem nicht eingeht. Er will Sie z.B. herausfordern und Sie so zu einer Reaktion animieren, ohne daß er es mit Worten ausdrückt. Das kann ein Test sein, um zu sehen wo Sie im Augenblick stehen. Auf alle Fälle ist es eine Aufforderung zum Nachdenken. Nur wenn Sie immer wieder darüber nachdenken können Sie für sich das meiste herausholen. Dazu gehört es natürlich auch, daß Sie die Ratschläge beherzigen.

Regel vier: Lassen Sie sich niemals mit unbefriedigenden Antworten abspeisen. Das gilt nicht nur beim Arzt sondern im gesamten Leben. Viele begehen den Fehler und lassen sich mit “Halbheiten” abspeisen und anschließend haben sie ein zusätzliches Problem. Sie wissen mit der Antwort nichts anzufangen und müssen dann darüber nachgrübeln was gemeint sein könnte. Stellen Sie kurze, präzise Fragen und fragen Sie dann solange nach, bis Sie eine ausreichende Erklärung bekommen haben. Nur so können Sie sicher stellen, daß Sie eine richtige Antwort bekommen werden, die Ihnen keine weiteren Probleme aufwirft. Geraden beim Depressiven konnte ich diesen Fehler immer wieder feststellen, daß er sich mit der ersten Antwort zufrieden gab und im Nachhinein stellte er fest, daß er eigentlich gar keine Antwort auf seine wirkliche Frage bekommen hat. Daran sollten Sie arbeiten.

Die gleichen Regeln gelten natürlich auch für die Psychotherapie.

Was bedeutet Verarbeitung?

Verarbeitung heißt eigentlich nichts anderes, als sich mit einem bestehenden Problem so lange zu beschäftigen, bis man eine Lösung gefunden hat.

Sie müssen sich also ausführliche Gedanken über die Sache machen, und dabei jede nur erdenkliche Möglichkeit in Erwägung ziehen. Sie müssen das Negatuve so lange zerpflücken, bis nur noch das Positive übrig bleibt. Es kann dabei durchaus vorkommen, daß Ihnen mehrere Punkte zur Auswahl übrig bleiben.

Wenn es sich bei dem Problem um einen zu beschreitenden Weg handelt, dann müssen Sie weiter überlegen und abwägen, bis letztendlich nur noch ein positiver Punkt übrig bleibt, und den müssen Sie dann gehen. Lassen Sie sich dabei nicht von anderen Menschen dreinreden. Sie ganz alleine sind es, der sich entscheiden muß. Sie ganz alleine müssen letztendlich auch ganz alleine die Verantwortung dafür übernehmen.

Wenn es sich um allgemeine Probleme handelt, ist es besser wenn Ihnen mehrere positive Punkte übrig bleiben. Mit diesen Punkten müssen Sie sich dann in der nächsten Zukunft sehr intensiv befassen. Sie müssen ständig Ihre Gedanken bei diesen Punkten halten und es darf sich dabei kein “aber” einschleichen. Das ganze müssen Sie so lange praktizieren, bis Sie restlos von der Richtigkeit Ihrer Meinung überzeugt sind. Sie müssen felsenfest daran glauben, damit es ins Unterbewußtsein übergehen kann. Ab diesem Zeitpunkt wird dann auch Ihr Unterbewußtsein nach Ihrem Glauben handeln und Ihnen den richtigen Weg zeigen. Gleichzeitig ist dies der Zeitpunkt wo das Ursprüngliche Problem verarbeitet ist.

Lassen Sie sich dabei genügend Zeit und setzen Sie sich nicht selber unter Druck. Es ist vollkommen ausreichend, wenn es die anderen tun. Manche Probleme werden Sie auf diese Weise sehr schnell lösen können, andere dagegen bedürfen ihrer Zeit. Der Verlust einer geliebten Person z.B. wird wesentlich länger dauern als ein kleinerer finanzieller Verlust, den Sie relativ schnell ausgleichen können. Es gibt viele Situationen im Leben, wo Sie auch nicht sofort mit dieser Denke arbeiten können, denn manchen Situationen geht eine Schockreaktion voraus die Sie erst überwinden müssen, teils kommt mach dieser Schockreaktion noch eine Wutphase ehe Sie sich mit nüchternen Gedanken an die Verarbeitung machen können. Ein Beispiel dafür wäre ein Todesfall. Hier kommt es meist zu dieser Kettenreaktion und nicht selten ist es der Fall, daß die lieben Bekannten einem mehrfach dazu auffordern, endlich wieder zum normalen Tagesablauf über zu gehen, da mittlerweile doch genügend Zeit vergangen sei. Nehmen Sie sich immer genau so viel Zeit, wie Sie selber brauchen und nicht die, die Ihnen die anderen zugestehen. Nur so können Sie sicher stellen, daß Sie auch richtig verarbeiten und kein Rest in Ihnen zurück bleibt.

Auf diese Art und Weise können Sie auch alte, weit zurückliegende Ereignisse verarbeiten. Wenn Sie einmal nicht weiter kommen, dann sollten Sie ruhig andere Menschen um Rat bitten. Allerdings sollten Sie solche Ratschläge nicht unüberlegt übernehmen. Denn es gilt auch hier, wie überall “erst denken, dann handeln”. Fragen Sie ruhig mehrere und suchen Sie sich die beste Lösung heraus. Bedenken Sie dabei aber immer, daß jeder Ratschlag, einer anderen Person auch aus einer anderen Sichtweise kommt. Jeder Mensch ist eine eigene Persönlichkeit und genau nach dieser handelt, denkt und fühlt er. Eine Ihnen entgegengesetzte Persönlichkeit wird vermutlich auch einen entsprechenden Ratgeben. Bedenken Sie dies immer ehe Sie sich auf etwas einlassen. Die wenigsten Menschen unterziehen sich der Mühe, sich in die fragende Person einzufühlen, was auch relativ schwierig ist.

Meist bekommen Sie von fremden Menschen bessere Ratschläge wie von Bekannten, denn bei Bekannten spielen oft auch eigene Emotionen eine große Rolle. Bekannte sollten Sie eigentlich nur dann zu Rate ziehen, wenn es sich um eine zurück liegende Sache handelt, von der befragte ebenfalls weiß und deshalb Ihrem Gedächtnis auf die Sprünge helfen kann. Denn je mehr Einzelheiten sie von der Sachen wissen, um so besser können Sie Ihre Überlegungen führen.

Wenn Sie einmal nicht so recht wissen, was Sie noch alles verarbeiten müssen, dann denken Sie einfach in Ihre Vergangenheit zurück. Denken Sie über alles was Ihnen gerade einfällt zumindest ein paar Minuten nach. Lauschen Sie dabei in Ihr Inneres auf etwaige Emotionen oder sonstige Regungen. Alle Punkte, wo sich im Inneren etwas regt, sind zumindest nicht restlos verarbeitet. So können Sie nach und nach alles aufspüren und verarbeiten, und das müssen Sie, wenn Sie der Depression entfliehen wollen.

Führen Sie ein Tagebuch

Ein sehr wertvolles, die Therapie unterstützendes, Hilfsmittel ist ein Tagebuch. Vielen Depressiven habe ich diesen Ratschlag gegeben. Leider beherzigten ihn nur wenige, da er mit einem gewissen Zeit- und Arbeitsaufwand verbunden ist. Allerdings konnte ich immer wieder feststellen, daß die Patienten mit Tagebuch schnellere Fortschritte machten.

Welche Vorteile bietet ein Tagebuch?

1. Sie sind immer über den aktuellen Stand der Krankheit informiert

2. Sie können immer wieder nachlesen, wie schlecht es Ihnen, im Vergleich zu jetzt, schon ging

3. Sie haben eine genaue Erfolgskontrolle

4. Sie müssen sich Gedanken über den Tagesablauf machen und gewöhnen sich mit der Zeit daran.Dadurch schulen Sie sich selbst, so daß Sie in Zukunft alle Fehler, aber auch alle Erfolge, sofort erkennen können. Nur erkannte Fehler kann man bereinigen oder in Zukunft vermeiden.

5. Wenn es Ihnen einmal besonders schlecht geht, können Sie sich an den Erfolgspassagen selber wieder aufbauen

6. Sie erkennen hautnah, daß es langsam aber sicher aufwärts geht

Dies sind natürlich nur einige Beispiele für die Vorteile eines „Depressions-Tagebuches“.

Wie sollte so ein Tagebuch aussehen?

Sie müssen nicht Seitenweise Aufzeichnungen niederschreiben. Es genügt vollkommen, wenn Sie im Telegrammstil den Tagesablauf festhalten. Vergessen Sie dabei Ihr Befinden nicht, das gehört ebenfalls zu den täglichen Aufzeichnungen. Der Depressive hat bestimmte Dinge, die ihm in seiner Krankheit sehr schwer fallen, und andere die er in alter Gewohnheit problemlos erledigen kann. Die problemlosen Dinge brauchen nicht ins Tagebuch aufgenommen werden, es sei denn, daß sie plötzlich Probleme bereiten.

Wenn Sie sich für ein Depressions-Tagebuch entscheiden, was ich Ihnen sehr empfehlen würde, sollten Sie einige kleine Regeln befolgen.

1. Beginnen Sie immer mit Datum und Uhrzeit des Aufstehens

2. Legen Sie sich ein Bewertungsschema zurecht (z.B. extrem schwer, sehr schwer, schwer, mit Mühe, fast leicht, leicht, sehr leicht, extrem leicht), und bewerten Sie Ihre Einträge damit. Ein Eintrag könnte z.B. so aussehen: Um 8 Uhr 30 „sehr schwer“ aufgestanden, „mit Mühe“ dasFrühstück bereitet usw.

3. Schreiben Sie stichpunktartig den Tagesablauf auf.

4. Benutzen Sie mehrere Farben z.B. blau für den normalen Text, rot für alles was einen Fortschritt bedeutet und grün für eventuelle Rückfälle. Das bietet Ihnen den Vorteil, daß Sie immer gezielt nachlesen können. An Tagen wo es Ihnen besonders schlecht geht, blättern Sie einmal zurück und lesen ganz gezielt nur die roten Textpassagen. Das zeigt Ihnen, daß es Ihnen schon schlechter ging und baut Sie somit auf. Durch die grüne Hervorhebung, können Sie an solchen Tagen diese Einträge ganz gezielt überspringen.

5. Schreiben Sie regelmäßig. Das heißt: Jeden Tag kurz vor dem Schlafengehen. Wer einen oder mehrere Tage vergehen läßt, ohne zu schreiben, läuft sehr leicht in Gefahr ganz aufzuhören, bzw. er kann die Tage zuvor nicht mehr genau rekonstruieren und somit nicht alles aufnehmen.

6. Es reicht vollkommen aus, wenn Sie ein normales Schreibheft benutzen in dem Sie auf der einen Seite einen kleinen Rand frei lassen, wo Sie zu einem späteren Zeitpunkt noch Anmerkungen einfügen können.

7. Beschriften Sie das Heft mit „Depressions-Tagebuch 1“. Wenn Sie täglich schreiben, werden Sie mehrere Hefte benötigen, die Sie fortlaufend numerieren sollten.

8. Lesen Sie immer wieder einige Seiten der Aufzeichnungen.

9. Vermerken Sie jede noch so kleine Veränderung in Ihrem Befinden.

 

Wenn Sie diese Punkte beherzigen, dann haben Sie eine ausgezeichnete Kontrolle über den Krankheitsverlauf. Sie können auch jederzeit eine Bilanz ziehen, denn nur wenn Sie sich alle Änderungen bewußt machen und darüber nachdenken, können Sie sie erkennen. Das ist nämlich auchein sehr häufiges Problem der Menschen. Sie sehen meist nur die schlechten also negativen Dinge und die guten, positiven Dinge werden nicht zur Kenntnis genommen. Durch dieses Tagebuch werden Sie gezwungen über beides nachzudenken und Sie lernen es so, mit der Zeit, daß Sie in Zukunft auch die positiven Dinge erkennen können und auch erkennen werden.

Die richtige Arztwahl

Als eines der heikelsten Themen für den Depressiven stellt sich die richtige Arztwahl dar. Der Depressive hat noch keine all zu großen Erfahrungen mit seiner Krankheit und weiß deshalb auch nicht worauf es bei der richtigen Auswahl ankommt. Viele glauben, wenn sie zu einem Arzt kommen der ihnen genügend Streicheleinheiten gibt, sind sie beim richtigen.

Ich konnte es oft genug hören: “Das ist ein guter Arzt, der versteht mich”. Ich kann es sehr gut nachvollziehen, daß dem Kranken dies sehr gut gefällt und er sich gut aufgehoben glaubt. Aber glauben Sie mir wenn ich Ihnen sage: Nur mit guten Worten alleine kann Ihnen keiner helfen. Zur Hilfe bedarf es zwischendurch auch einiger härterer Worte, aber auch Worte die einem sehr tief treffen. Denn genau diese Worte sind es, die einem zum Nachdenken anregen und Emotionen zu Tage fördern die sonst im Dunkel der Krankheit verborgen bleiben würden.

Meine Frau hat des öfteren von einer Therapiestunde zur anderen nichts anderes getan als geweint und über diese Worte nachgedacht. Anfangs war es noch so, daß sie sich immer wieder sagte „wie kann der das zu mir sagen“. Aber genau diese Wut war es, die sie dann immer wieder einen ganz gewaltigen Schritt vorwärtskommen ließ.

Wenn es Ihnen z.B. auch so ergehen sollte wie meiner Frau und einiger meiner Bekannten, dann sollten Sie auf der Stelle umdrehen und sich einen anderen Arzt suchen. Was war passiert? Beim ersten Besuch bekamen sie als erstes zu hören: „Daran müssen sie sich gewöhnen, daß sie für den Rest des Lebens Nervenmedikamente einnehmen müssen“. Dieser Satz bedeutet nichts anderes, als daß der Neurologe seinen neuen Patienten in die Kategorie „Dauerpatient“ aufnimmt. Mit diesen Worten sollen Sie beruhigt und von einen Arztwechsel abgehalten werden, wenn sich nicht innerhalb einer gewissen Zeit eine spürbare Besserung einstellt.

Ich kenne einige uneinsichtige Patienten die auf diese Art und Weise, mehrere Jahre bei der Stange gehalten wurden. Einer davon glaubt nun, nach fast dreißig Jahren noch daran, daß er nur das richtige Medikament finden muß damit es ihm endgültig besser geht. Hier kann ich nur sagen, daß bei diesem Menschen der Leidensdruck noch nicht groß genug ist, und deshalb würde bei so einem Patienten eine Psychotherapie noch nichts fruchten.

Ein guter Arzt nimmt sich genügend Zeit für seinen Patienten und fertigt ihn nicht innerhalb weniger Minuten ab. Achten Sie deshalb bei Ihren ersten Besuchen darauf, wie lange die einzelnen Patienten im Sprechzimmer sind. Achten Sie dabei vor allem auf die eigene Sprechzeit. In der Anfangszeit sollten ca. zwanzig bis dreißig Minuten drin sein. Alles was deutlich darunter liegt sollten Sie nicht akzeptieren und notfalls den Arzt wechseln. Dabei sollten Sie natürlich schon beachten, daß der momentane Zustand das ausschlaggebende Maß für die Sprechzeit sein muß.

Wenn Sie sich zum ersten Mal bei einem Neurologen einen Termin geben lassen, und es wird Ihnen ein Termin genannt der erst nach acht Tagen liegt, dann sollten Sie auf einen kurzfristigeren Termin drängen, der maximal innerhalb von vier Tagen liegen sollte. Weisen Sie dabei ruhig darauf hin, daß es sich um einen Notfall handelt. Wenn Sie diesen kurzfristigen Termin trotzdem nicht bekommen sollten, dann suchen Sie sich am besten gleich von Anfang an einen besseren Arzt. Ein Arzt, aber auch eine Sprechstundenhilfe, die den Hinweis auf einen Notfall mißachten, will nicht Ihre Gesundheit sondern Ihr Geld.

Scheuen Sie sich nicht davor den Arzt zu wechseln wenn Sie nicht zufrieden sind. Am besten ist ein Arzt der eine gesunde Mischung zwischen einer angemessenen Härte und der genügenden Portion Einfühlsamkeit besitzt. Wobei es oft nicht verkehrt ist, wenn die Härte überwiegt.

Einen guten Arzt erkennen Sie auch daran, daß er mit den Nervenmedikamenten sehr sorgfältig umgeht. Auf Anruf oder nur bei der Sprechstundenhilfe sollten Sie kein Rezept bekommen können. Der Arzt sollte zumindest ein paar Minuten mit Ihnen sprechen um den augenblicklichen Zustand zu beurteilen. Bedenken Sie dabei, daß es genügend Nervenmedikamente gibt die süchtig machen, und es ist Ihnen nicht damit gedient, wenn Sie zwar die Depression überwinden, dafür aber süchtig sind, und sich somit ein neues Problem geschaffen haben.

Bei der Suche nach einen Psychotherapeuten beginnt das Problem eigentlich schon damit, daß es in der Regel sehr lange dauert bis man einen Termin bekommt. Wenn Sie noch keinen bestimmten im Auge haben, weil Sie gutes von ihm gehört haben, sollten Sie die Zeit abwarten. Sie können dabei immer wieder auf einen Neurologen zurück greifen, wenn Sie besonders schlimme Tage haben. Wenn Sie keinen bestimmten Therapeuten im Auge haben, kann es durchaus sinnvoll sein, sich beimehreren auf die Warteliste setzen zu lassen.

Wenn Sie einen Therapeuten gefunden haben, der Ihnen aber aus irgendeinen Grund nicht zusagt, dann sollten Sie sich nicht scheuen, sich einen anderen zu suchen. Sie haben bei jedem Therapeuten das Recht auf 5 Probestunden, und das sollten Sie nutzen. Sollten Sie erst nach diesen fünf Probestunden feststellen, daß der Therapeut nichts für Sie ist, dann sollten Sie mit Ihrer Krankenkasse sprechen, ehe Sie den Therapeuten wechseln. Wenn Sie bei einem Therapeuten sind, zu dem Sie kein Vertrauen entwickeln können, dann wird Ihnen die ganze Therapie nichts helfen. Sie werden die meisten Dinge verschweigen und andere falsch darstellen. Wenn Sie sich auf so etwas einlassen, dann können Sie auch gleich zu Hause bleiben. Wenn Sie kein Vertrauen haben, werden Sie sich vom Arzt auch nichts sagen lassen und schon gar nicht, daß Sie sich ändern müssen. Sie werden sich von ihm den Weg nicht vorschreiben lassen, den Sie gehen müssen, wenn Sie der Depression entfliehen wollen. Denken Sie daran: Nur wenn Sie offen und ehrlich über alles sprechen können, kann Ihnen geholfen werden. Jedes falsche Wort aber auch jede Lüge, führen den Therapeuten aufs Glatteis und er kann gar nicht anders, er muß Ihnen etwas falsches sagen. Der Therapeut kann sicherlich recht gut damit leben, wenn er Ihnen unwissend einen falschen Rat gibt. Sie aber können sicherlich nicht gut damit leben, denn Sie müssen es ganz alleine aushalten. Das kann und wird Ihnen keiner abnehmen.

Umgang mit Depressiven

Dies ist ein Thema, das vor allem für die Angehörigen und für die Freunde interessant sein dürfte, aber es ist auch für den Depressiven ein wichtiges Thema. Auch der Depressive muß den richtigen Umgang mit anderen Menschen erst wieder lernen, und dazu sollen die folgenden Tips beitragen.

Die Depression ist vermutlich die am schwersten zu verstehende Krankheit. Nicht nur für dem Betroffenen sondern auch für deren Angehörige. Es beginnt ja schon damit, daß man dem Depressiven seine Krankheit nicht ansehen kann und dazu kommt noch, daß es keine ärztlichen, nachweisbare, Befunde gibt.

Alles in unserer Gesellschaft ist auf das “Funktionieren” aufgebaut und wer nicht funktioniert, der paßt nicht in diese Gesellschaft. Das ist mit ein Grund, warum der Depressive seine Krankheit sehr lange verschweigt, denn er funktioniert nicht mehr richtig und das darf er seiner Meinung nach nicht zugeben. Selbst den unmittelbaren Angehörigen gegenüber wird es verschwiegen. Wenn wir aber etwas verschweigen, dann können wir nicht daran arbeiten. Die logische Folge: Die Depression verstärkt sich, die Symptome werden mehr bzw. schlimmer. Nun ist der Depressive in der Situation, wo er seine Beschwerden nicht mehr kompensieren kann und er wirklich nicht mehr funktioniert. Das aber können nun die Angehörigen wiederum nicht verstehen, daß so plötzlich aus heiteren Himmel, eine optisch nicht erkennbare, so schwere Krankheit aufgetreten ist. Damit können die Angehörigen dann auch nicht umgehen. Sehr oft wird dem Betroffenen dann vorgeworfen, daß er das ganze nur vortäuscht, aus welchen Gründen auch immer.

Was diese Krankheit zusätzlich so schlimm macht, ist daß der Erkrankte nicht in der Lage ist, seine Beschwerden richtig zu erklären. Denn wie erklärt man z.B. eine  vermeintlich grundlose Angst oder die Lustlosigkeit. Ein sehr häufiges Symptom der Depression sind Kreuzschmerzen und keine Röntgenaufnahme ist in der Lage hier einen Befund zu zeigen. Wie aber sollte man das richtig erklären können. Noch dazu, wo die Depression schon mal als “der eingebildete Kranke” bezeichnet wurde und das sicher noch in manchen Köpfen steckt. Diese ganze Situation macht es auch uns, die wir versuchen zu helfen, nicht gerade einfach diese Phänomene zu erklären.

Wir können nicht einfach so sagen: “Glauben Sie dem Betroffenen, wenn er seine Beschwerden schildert und stempeln sie es nicht als Einbildung oder Vortäuschung ab”. Damit könnte keiner etwas anfangen. Was die Sache zusätzlich erschwert ist es, daß es eigentlich nichts gibt, was die Psyche nicht auslösen könnte und somit wird das Krankheitsbild so vielschichtig, daß man nur für dessen Erklärung ein Buch mit mehreren hundert Seiten füllen könnte.

In meinem Buch “Der Weg aus der Depression”, das Sie über diese Page bestellen können,  habe ich versucht, zumindest die wichtigsten Krankheitsbilder aufzuzeigen und die Zusammenhänge zu erklären. Wenn Sie hier also nähere Auskünfte suchen, sollten Sie dieses Buch bestellen, Sie unterstützen damit auch meine Arbeit an dieser Homepage.

Im folgendem will ich einmal die wichtigsten Punkte aufzählen, die für alle Depressiven gleichermaßen gelten.

Wie sollten Angehörige, Freund und Bekannte mit dem Depressiven umgehen?

Für den depressiven gibt es nichts schlimmeres wie falsche Ratschläge. Wie aber verhält man sich depressiven gegenüber. Es gibt mit Sicherheit keine Menschen, mit denen der Umgang so schwierig ist wie mit dem an einer Depression erkrankten. Hier gibt es einige grundlegende Punkte zu beachten.

Appelle an einen depressiven zu richten ist falsch. Man kann ihn nicht einfach dazu auffordern, sich zusammenreißen. Der Depressive ist nicht unwillig, er ist krankheitsbedingt unfähig. Das ist ein großer Unterschied, auch wenn sich der Gesunde schwer tut dies zu begreifen. Der Depressive kämpft gegen zwei Mächte in sich, und solche Ermahnungen an einen hoffnungslos, apathisch und Willensgeschwächten Patienten pflegen seine Verzweiflung nur noch zu verstärken. Die zwei Mächte sind zum einen: “Der Wille etwas zu tun” und zum anderen “eine schier unwiderstehliche Kraft die einen von allem wegzieht”. Diese Kraft ist so stark, daß der Depressive sich dagegen nicht wehren kann und er entwickelt den Glauben „das kann ich nicht“, was die innere Kraft nur noch stärker macht. Solche Sätze wie „das kann ich nicht“, „das geht nicht“ oder „das schaffe ich nie“ bilden sich in unserem Inneren zu Glaubenssätzen heran. Unser Unterbewußtsein setzt Himmel und Hölle in Bewegung um nach seinen Glaubenssätzen zu handeln. Da unser Unterbewußtsein generell die Ziele ansteuert an die wir Glauben, ist es eigentlich ganz logisch, daß ein Mensch der glaubt etwas nicht zu können, es auch nicht kann.

Ablenkung ist ein sehr beliebtes Thema. Es ist falsch, dem Depressiven Ablenkungs-, Vergnügungs- oder Zerstreuungsmöglichkeiten anzubieten oder zu empfehlen. Mit solchen Maßnahmen kann ein Mensch, der ja die Fähigkeit sich zu freuen, nichts anfangen. Im Gegenteil: Es wird ihn noch mehr deprimieren und obendrein in Schuldgefühle stürzen. Der Depressive muß sich mit seiner Krankheit auseinandersetzen. Er muß lernen mit ihr umzugehen. Ein gutes verständnisvolles Gespräch ist für den Depressiven hundert mal mehr wert wie tausend Ablenkungen.

Ich weiß, daß es für den Gesunden fast unmöglich ist, diese Krankheit zu verstehen. Sieht man dem kranken doch nicht an, daß er krank ist, aber in Wirklichkeit ist er ein schwerkranker Mensch. Der Depressive will kein „Mitleid“, es würde ihn innerlich nur zusätzlich verletzen. „Verständnis und Mitgefühl“ sind die Zauberworte die dem Depressiven helfen. Ablenkung usw. schadet dem Depressiven.

Überredungsversuche ein fataler Fehler. Es ist falsch, dem Depressiven einreden zu wollen, es gehe ihm doch gut. Wenn es ihm gut ginge, wüßte er das selbst am besten. So aber muß er dieseÄußerung nur als Verkennung seine Zustandes oder als Beweis des Mißtrauens verstehen. Früher wurde der Depressive als der „eingebildete Kranke“ bezeichnet und leider ist dies auch heute noch viel zu oft der Fall. Es ist keine Einbildung sondern Realität. Körperlich oder organisch Kranke werden gehegt und gepflegt. Bei denen versucht es keiner mit Ablenkung, Appellen, Überredungsversuchen oder dergleichen. Bei denen sieht man meist die Krankheitszeichen.

Urlaub, eine wunderbare Sache, aber nicht für den Depressiven. Es ist falsch den Depressiven in Urlaub zu schicken. Er findet sich in seinem Zustand in fremder Umgebung noch weniger zurecht als zu Hause. Seine Kontaktschwäche würde ihn nur isolieren. Seine Minderwertigkeitsgefühle könnten sich noch verstärken. Seine Teilnahmslosigkeit, sein Grübelzwang oder seine Ängste würden allen zur Last fallen. Der Urlaub würde in einem Fiasko enden. Der Depressive weiß am Morgen noch nicht wie er sich am Abend fühlt. Urlaubsreisen unterliegen bestimmten Zwängen denen der Depressive einfach nicht gewachsen ist. Dagegen ist es wichtig, unter Anleitung eines guten Therapeuten, alles zu tun was dem Depressiven Menschen eine therapeutisch günstige Atmosphäre bietet, auch zu Hause wenn sich dies irgendwie ermöglichen läßt.

Wahnideen: Es ist falsch, dem Depressiven evtl. seinen Krankheitswahn, seinen Verarmungswahn, seinen Versündigungswahn usw. ausreden zu wollen. Wahnideen sind mit logischen Argumenten nicht zu korrigieren. Solche fruchtlosen Diskussionen beweisen dem Depressiven nur, daß ihn niemand versteht. Denn er kann ja nicht anders, als seinen Wahnideen glauben zu schenken; die wahnhafte Gewißheit, die trotz offensichtlicher Gegenbeweise nicht zu korrigieren ist, macht ja einen Teil des Krankhaften aus.

Entscheidungen: Es ist falsch, einen Depressiven wichtige Entscheidungen treffen zu lassen, besonders wenn es sich um folgenschwere Entscheidungen handelt (Beruf, Verkauf, Umzug usw.). Nachdem das Krankheitsbild abgeklungen ist, wird er wieder im Vollbesitz seiner Kräfte sein. Während der depressiven Episode aber wird er alles durch eine „schwarze Brille“ sehen, so daß die dabei getroffenen Entscheidungen fast immer zu seinem Nachteil ausgehen. Darum Hände weg vor schwerwiegenden lebensbeeinflußenden Entscheidungen, die der Depressive in aller Regel später bereuen wird.

Selbstvorwürfe helfen nicht weiter. Sowenig wie der Depressive selbst sind Sie oder andere an der Krankheit schuld. Die Depression hat sich im Laufe der Zeit manifestiert. Sie ist nicht auf einen Schlag gekommen. Es sieht meist nur optisch so aus, da der Ausbruch sehr oft nach einen Schicksalsschlag kommt. Dabei muß dieser Schicksalsschlag nicht einmal so schwerwiegend sein. Akzeptieren Sie die Krankheit und zeigen Sie Verständnis. Mit Selbstvorwürfen quält man sich nur selber und belastet den Kranken, der dies natürlich spürt, nur zusätzlich.

Der Umgang mit einem depressiven Menschen ist schwierig. Es ist eine ständige Gratwanderung zwischen dem Wunsch zu helfen, aufzumuntern und einem geduldigen warten. Jeder muß eine gewisse Stärke zeigen. Der Depressive, der Partner, die Angehörigen aber auch die Freunde und Bekannten. Der Depressive handelt sehr oft für uns unverständlich. Das ist weder eine Böswilligkeit noch eine Provokation. Es ist der Ausdruck seiner Krankheit. Der Depressive braucht sehr viel Zuwendung und trotzdem zieht er sich zurück. Er will anderen nicht zur Last fallen und er will aber auch nicht mit Menschen zusammen sein die ihm zeigen, daß sie die Krankheit nicht verstehen. Vielleicht spürt er es sogar in seinem Unterbewußtsein, daß der Unverständige die Krankheit oftmals gar nicht verstehen will.

Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, daß gerade die Angehörigen die Krankheit zwar bei fremden Menschen verstehen aber nicht im eigenen Familienkreis. Solche Menschen sollten sich einmal wirklich die Frage stellen, wo der Unterschied zwischen dem Verständnis bei Fremden und dem Unverständnis innerhalb der eigenen Familie liegt. Vermutlich liegt es daran, daß der Depression immer noch der Hauch einer Geisteskrankheit anhängt und wer will schon gerne einen Geisteskranken in der Familie haben. Depression hat nicht das geringste mit Geisteskrankheit oder Schwachsinn zu tun. Der Depressive ist genau so normal wie Sie und ich. Nach seiner Genesung knüpft er genau dort wieder an wo er durch die Depression aus der Bahn geworfen wurde. Von der Depression ist dann genausowenig zu erkennen wie man z.B. nach einer überstandenen Grippe nicht mehr erkennen kann, daß eine Krankheit vorhanden war.

Ziehen Sie mit dem Depressiven am gleichen Strang. Nehmen Sie Rücksicht auf seine Krankheit und behandeln Sie ihn entsprechend. Das hilft dem Kranken bei der Bewältigung seiner Probleme und bei der Vermeidung von Fehlern, die alleine nur deswegen zustande kommen, weil sich der Depressive von seinem Umfeld unverstanden fühlt.

Jeder Depressive macht den gleichen Fehler: „Er zieht sich immer mehr zurück, er unterbindet immer mehr Kontakte zu anderen Menschen, bis er letztendlich ganz alleine ist“. Erst dann glaubt er sich einigermaßen wohl zu fühlen. Dies ist auf der einen Seite ein sehr schwerwiegender Fehler, der den Genesungsablauf gewaltig beeinflußt, kann aber auf der anderen Seite zumindest teilweise richtig sein. Eines kann ich Ihnen aber jetzt schon versichern. Sie brauchen eigentlich keinen einzigen Kontakt abzubrechen. Das ergibt sich in vielen Fällen ganz von alleine. Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage: „Die alten Freunde werden sich von Ihnen verabschieden und neue, bessere, werden in Ihr Leben treten“.

Bevor Sie den Kontakt zu einen anderen Menschen abbrechen, sollten Sie mit ihm über Ihre Krankheit reden. Klären Sie ihn auf und sagen Sie ihm ganz klar, daß Sie krankheitsbedingt, zur Zeit nicht so können, wie Sie es selber gerne hätten. Sprechen Sie dabei offen und ehrlich. Sagen Sie es demjenigen, wenn er Ihnen sehr viel bedeutet und er wird Verständnis für Ihre Situation zeigen. Sicher werden auch einige dabei sein, die kein Verständnis zeigen, aber die können Sie getrost vergessen. Die waren nicht um ihretwillen bei Ihnen sondern wegen der Vorteile, die Sie ihnen geboten haben. Und genau die wären sowieso gegangen sobald sie diesen Vorteil bei Ihnen nicht mehr finden. Aber um die ist auch nicht schade.

Wie Sie mittlerweile wissen ist das Gespräch die beste Therapie und alleine deshalb wäre es schon ein Fehler, wenn Sie alle Kontakte abbrechen würden. Bei offener Aussprache werden Ihnen sicherlich einige der Freunde, zumindest noch eine Zeitlang, erhalten bleiben. Nutzen Sie diese Zeit um, so oft als möglich, über Ihre Krankheit, über Ihr Befinden und über Ihre Probleme zu sprechen. Jeder Mensch hat eine andere Denkweise und sieht somit auch die Dinge von einer anderen Seite. Deshalb hat er auch immer wieder andere Lösungsvorschläge, die zumindest teilweise gut für Sie sind. Filtern Sie sich diese Punkte heraus und lassen die schlechten weg.Ziehen Sie sich auch nicht aus der Öffentlichkeit zurück. Ich weiß, daß dies für den Depressiven besonders schwer ist aber ich weiß auch, daß es ein Fehler ist. Im Naturell des Depressiven liegt es, daß er immer der Meinung ist, daß es ihm von allen Kranken am schlechtesten geht. Außerdem bekommt man Zuhause nicht mit, daß es auch noch andere Menschen gibt, die ebenfalls ihre Probleme haben, und daß es genügend gibt denen es noch viel schlechter geht als Ihnen.

Wenn Sie Probleme in der Öffentlichkeit haben, sei es weil Ihnen die Angst vor den Menschen im Nacken sitzt oder ein andere Grund, dann sollten Sie zwar die Öffentlichkeit eine Zeit lang meiden, es aber zwischendurch immer wieder ausprobieren ob Sie es schon können. Beginnen Sie dabei mit kurzen Spaziergängen, die Sie immer etwas weiter ausdehnen und beginnen Sie dann damit, in geschlossene Räume zu gehen wo sich mehrere Menschen aufhalten. Ein sehr günstiges Objekt wäre da z.B. ein Café. Da ist es im Allgemeinen nicht zulaut, so daß Sie die nötige Ruhe haben. Nach einer gewissen Zeit sollten Sie dann versuchen mit anderen Gästen in Kontakt zu kommen. Setzen Sie sich zu einen Gast an den Tisch, und tasten Sie sich langsam vorwärts. Wenn es Ihnen noch Probleme bereitet mit dem Gast zu sprechen, wiederholen Sie diese Prozedur solange, bis Sie ein belangloses Gespräch führen können.

Sollte es sich dabei ergeben, daß das Thema in Richtung Ihrer Krankheit geht, dann versuchen Sie nicht abzuschweifen. Reden Sie nach Möglichkeit darüber und geben Sie eventuell sogar zu, daß Sie dieses Krankheit haben. Es können so viele neue Aspekte auftauchen und erfahrungsgemäß zeigen die Fremden Menschen wesentlich mehr Mitgefühl, als die eigenen Angehörigen. Tappen Sie sich so langsam aber sicher immer weiter nach vorne, solange bis es Ihnen nichts mehr ausmacht in die Gesellschaft zu gehen und sich mit anderen Menschen zu unterhalten. Die Vorteile, die Ihnen daraus erwachsen, können Sie am eigenen Leibe spüren. Ein sehr guter Nebeneffekt ist es, daß Sie mit der Zeit zumindest während Ihres Ausfluges nicht im negativen Sinne an Ihre Depression denken und somit eine gute Erholungspause haben.

Wenn Ihnen der Umgang mit anderen Menschen Probleme bereitet, dann sollten Sie es den betreffenden Menschen auch sagen. Bauen Sie dabei nicht darauf, daß es der andere spüren oder wissen müßte. Sicherlich werden Sie es selbst schon festgestellt haben, daß die Depression eine sehr schwer begreifbare Krankheit ist. Und das was Sie als Betroffener nur sehr schwer begreifen können, kann ein gesunder nur noch schwerer, meist gar nicht, begreifen.  Lassen Sie dabei all Ihren Gefühlen einen freien Lauf. Unterdrücken Sie nichts und sagen Sie alles was Ihnen auf der Seele brennt. Weinen Sie wenn Ihnen danach zumute ist, schreien Sie wenn Sie das Bedürfnis dazu haben. Schlicht, tun Sie alles was ihnen gerade in den Sinn kommt und unterdrücken Sie es keinesfalls. Auch nicht aus Rücksicht dem anderen gegenüber.

Bedenken Sie dabei, daß den Menschen all seine Gefühlsregungen nicht umsonst mitgegeben wurden. Jede Emotion, jede Gefühlsregung hat seinen guten Grund. Kein Mensch auf dieser Welt weint ohne entsprechenden Grund und keiner schreit ohne Grund. Es ist lediglich für den Außenstehenden oft kein triftiger Grund erkennbar, doch das sollte Sie nicht stören. Lassen Sie allem freien Lauf und Sie fühlen sich anschließend besser. Wenn Sie Ihre Gefühle und Emotionen unterdrücken geht es Ihnen nur noch schlechter. Es hilft Ihnen auch nichts, wenn Sie am Morgen das Gefühl zum Weinen haben, es aber tagsüber unterdrücken, um es dann am Abend wenn Sie alleine sind nachzuholen. Das bringt keine Befreiung und es kann nichts mehr bewirken, außer daß sich Ihr Taschentuchverbrauch erhöht.

Versuchen Sie nicht sich nach außen hin zusammenzureißen. Sie geben dem Umfeld einen falschen Eindruck von Ihnen und werden deshalb natürlich auch automatisch falsch behandelt, und genau das ist es ja was Sie eigentlich nicht wollen. Sie möchten von den anderen Ihrer Krankheit entsprechend behandelt werden, aber es kann keiner riechen, daß Sie Depressionen haben und es sieht Ihnen leider Gottes auch keiner an. Die Depression hat keine deutlichen Erkennungszeichen, an denen jeder außenstehende sofort Ihre Krankheit erkennen könnte, im Gegensatz zu den körperlichen Krankheiten. Nur ein geschulter Blick könnte an Ihren Augen die Depression ablesen. Halten Sie sich das immer wieder vor Augen.

Wichtiger Tip: Der betroffene stößt immer wieder auf das Unverständnis seiner Mitmenschen, was dann meist Grund genug ist, das Ganze zu verheimlichen, sich zusammenzureißen und so zu tun als ob einen nichts fehlt. Begehen Sie nicht den gleichen Fehler, auch wenn es schwer ist. Reden Sie offen über ihre Krankheit, denn trotz des Unverständnisses werden Sie immer wieder auf Leute treffen, die Sie verstehen und die Ihnen helfen können. Beachten Sie dabei auch, daß viele der Angehörigen diese Krankheit nicht nur nicht verstehen, sondern daß sie sie nicht verstehen wollen.

Viele der Betroffenen jammern immer wieder, daß sie niemand versteht. Aber sehr oft tragen sie selbst auch zu diesem Unverständnis bei, weil sie meist ihre Situation besser darstellen wie sie in Wirklichkeit ist. Dadurch müssen sie sich natürlich auch entsprechend zusammenreißen, was wiederum die Krankheit verschlimmert, was nicht selten zum totalen Zusammenbruch führt.

Die Depression ist leider auch keine kurzfristige Erkrankung, die sich innerhalb kürzester Zeit heilen läßt. Auch wenn es in Funk und Presse immer wieder fälschlichwerweise so dargestellt wird. Jede Depression ist heilbar aber es ist eine langwierige Sache, da hier sehr viele Faktoren eine Rolle spielen.

Demjenigen, der die Krankheit verstehen will, würde ich empfehlen, daß er sich in den verschiedenen Foren einmal die verschiedensten Einträge durchließt. Ich glaube, daß er hier dann die besten Erklärungen finden kann. Er kann hier dann auch jederzeit selber eine Frage stellen, die er gerne erklärt haben möchte. Nutzen Sie diese Möglichkeit denn nichts ist schwieriger wie der Umgang mit dem Depressiven aber auch umgekehrt.

Wie Sie sehen, gibt es sehr viele Dinge, die bei der Depression beachtet werden müssen und von denen eigentlich keiner spricht. Alleine an dem was Sie bis jetzt gelesen haben, können Sie erahnen, daß eine Menge Arbeit auf Sie wartet. Wenn Sie eine Frage haben, dann scheuen Sie sich nicht sie mir zu stellen. Am Ende jeder Seite finden Sie einen E-Mail-Link. Sie können bei Fragen auch das Forum benutzen. Sie sollten auch die Seite Angst/Panik lesen, auch wenn Sie nicht von übermäßigen Ängsten betroffen sind. Hier finden Sie einige Zusammenhänge der Depression mit dem Unterbewußtsein.

Der Depressive und die Angst

Depression und Angst gehen meist nebeneinander her. Der Depressive Patient hat generell irgendwelche Ängste sowie auch der an einer Phobie leidende, meiner Meinung nach, gleichzeitig an einer Depression leidet.

Angst ist hier nicht immer der richtige Ausdruck, denn oft artet sie in Panik aus. Nicht selten kommt dann noch die “Angst vor der Angst” dazu, die den Betroffenen lähmt. Aber gerade diese Angst ist es, die keiner so richtig verstehen will und die von Außenstehenden nie so richtig ernst genommen wird.

Sie kennen das Problem: “Sie sind irgendwo, und plötzlich aus heiterem Himmel, steigt die Angst auf, ohne jeden erkennbaren Grund”. Wenn Sie z.B. jemand bedrohen würde, so würde diese Angst jeder begreifen und akzeptieren, denn jeder kennt den Grund. Wer aber kann eine Angst begreifen, der jede Grundlage fehlt.

Bedenken Sie als betroffener folgendes: Sie selbst können es nicht richtig begreifen und somit auch einem anderen gar nicht erklären. Wie sollte es da derjenige begreifen, der es selbst noch nicht erlebt hat. Dieser Gedanken nimmt Ihnen zwar nicht Ihre Angst, aber er erleichtert Ihnen den Umgang mit unverständigen.

Angst entsteht immer nach dem gleichen Schema. Egal ob es sich um eine reale Angst oder um eine pathologische Angst handelt, der Auslöser ist immer eine bedrohliche Situation. Immer, wenn wir eine Situation als bedrohlich, also für uns als gefährlich einstufen, und keine Möglichkeit zur Flucht erkennen kommt die Angst. Auch wenn wir uns in einer schier ausweglosen Lage befinden, beschleicht uns die Angst.

Die Depression ist für viele Menschen eine ausweglose Situation. Warum? Wer kennt Depressive, die ihre Krankheit innerhalb kurzer Zeit überwunden haben? Egal ob man sich mit Betroffenen unterhält oder in den viele Foren des Internets ließt, überall stößt man auf langjährig Depressive. Da ist es dann auch kein Wunder, wenn man die Meinung bildet: “Depressionen sind nicht oder nur schwer heilbar.” Alleine das ist schon für viele ein Grund, Angst zu bekommen. Im Laufe der Zeit steigert man sich dann so in seine Angst hinein, daß es zu regelrechten Panikattacken kommt. Von nun an, reicht alleine schon der Gedanke, daß es einem heute wieder etwas schlechter geht aus um Angst zu bekommen. Da wir aber meist solche Gedanken nicht mit der Angst in Zusammenhang bringen, sprechen wir von einer unbegründeten Angst. Jeder betrachtet die Angst als ein Gefühl das uns aufsteigt wenn wir uns in einer realen, furchteinflößenden Situation befinden. Kaum einer beachtet, daß wir auch über “unbewußte” gedankliche Umwege das Gefühl der Angst heraufbeschwören.

Wenn sich nun solche, unserer Meinung nach unbegründete, Ängste aufbauen und sich mehrfach wiederholen, dann kommt es in vielen Fällen zur “Angst vor der Angst”. Das aber bedeutet, daß wir immer wieder in uns hineinlauschen ob die Angst schon kommt. Dadurch lösen wir einen Mechanismus in unserem Unterbewußtsein aus, der tätsächlich das Angstgefühl kommen läßt.

Das Thema Angst- und Panikattacken ist für den Depressiven sehr wichtig. Deshalb habe ich hierzu eine eigene Seite eingerichtet. Zur Seite: Angst/Panik

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